Das Künstlerhaus – die Vereinigung

Leitsätze Künstler*innenhaus

Die gegenwärtige gesellschaftliche und politische Situation ist von tiefgreifenden Transformationsprozessen geprägt. Globale Machtverschiebungen, das Erstarken autoritärer Tendenzen, ökologische Krisen, wachsende soziale Ungleichheiten, die Destabilisierung etablierter Wirklichkeitsmodelle sowie technologische Entwicklungen – insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz – stellen Gesellschaft und Kultur vor komplexe Herausforderungen. Diese Entwicklungen sind auch in westlich geprägten Demokratien deutlich sichtbar. Humanistische und demokratische Grundwerte geraten unter Druck, öffentliche Diskurse polarisieren sich, und gesellschaftliche Prozesse verlaufen zunehmend volatil und schwer vorhersehbar. Auch Kunst und Kultur sind von diesen Dynamiken unmittelbar betroffen. Steigender Konkurrenzdruck, fortschreitende Vereinzelung sowie die zunehmende Polarisierung zwischen marktorientierter Produktion und unabhängiger, nicht kommerziell ausgerichteter künstlerischer Praxis prägen die Arbeitsbedingungen von Künstler*innen in wachsendem Maße.

Künstlerische Arbeit benötigt institutionelle und soziale Rahmenbedingungen, die Schutz, Austausch, Solidarität und kollektive Handlungsfähigkeit ermöglichen. Das Künstler*innenhaus Wien versteht sich als offene Gemeinschaft, die auf den Prinzipien von Respekt, Wertschätzung und Zugehörigkeit basiert. Es bietet seinen Mitgliedern strukturierte Möglichkeiten zur Vernetzung, Information, Mitgestaltung sowie zur gemeinsamen Positionierung im kulturellen und gesellschaftlichen Kontext. Zusammenhalt und Kooperation bilden dabei die Grundlage, um individuellen wie kollektiven Herausforderungen wirksam zu begegnen. Als interdisziplinär ausgerichteter und urban verankerter Ort schafft der Verein stabile Voraussetzungen für künstlerisches Experiment, kritischen Diskurs und gesellschaftliche Auseinandersetzung. Besucher*innen werden dabei nicht ausschließlich als Rezipierende verstanden, sondern aktiv in künstlerische und diskursive Prozesse eingebunden. Ausstellungen bildender Kunst, Film- und Kinoprojekte, performative Formate, Vermittlungsangebote, Forschung sowie Produktionsprozesse werden als gleichwertige, prozessorientierte Praktiken begriffen, die sich gegenseitig ergänzen und erweitern.

Getragen wird das gemeinsame Selbstverständnis durch demokratische Strukturen, transparente Optionen für Mitsprache, sowie dem freiwilligen, ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder. Künstlerische Qualität, internationale Vernetzung, sowie eine reflektierte, kritische Distanz gegenüber politischen und ökonomischen Verwertungslogiken bilden zentrale Grundzüge des Handelns des Vereins. Ziel ist es, auch innovative, bislang nicht etablierte Denkansätze und künstlerische Ausdrucksformen sichtbar und erfahrbar zu machen und nachhaltig zu vermitteln.

Es ist daher von zentraler Bedeutung, die älteste und größte Künstler*innenvereinigung Österreichs in ihrem Wirken, ihrer institutionellen Haltung und ihrem gesellschaftlichen Auftrag nachhaltig zu stärken und damit auch in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung eines pluralen, unabhängigen Kunst- und Kulturraums zu leisten.

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